Abschiedsschmerz und Dank


Dietrich-Bonhoeffer-Haus an Erntedank entwidmet. Etwa 100 Besucher mussten am Eingang des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses (DBH), einst Gottesdienststätte des Kreuztaler Nordbezirkes in der Fritz-Erler-Siedlung, ihren Impf- oder  Genesenennachweis vorzeigen oder sich einem Schnelltest unterziehen. Erst dann durften sie mit Masken versehen am Erntedankgottesdienst teilnehmen, in dem zugleich auch die Entwidmung des Gotteshauses vollzogen wurde.

Viele Menschen, die sich mit dem DBH verbunden fühlten, waren gekommen und Abschiedsschmerz breitete sich aus. Nur noch selten wurde in letzter Zeit hier
Gottesdienst gefeiert, aber heute war der Saal noch einmal voll belegt.
Die Hoffnung verheißende Osterkerze brannte zum letzten Mal auf dem Abendmahlstisch und Pfarrer Thies Friederichs begrüßte zunächst neben der Gemeinde Bürgermeisterin Heike zur Nieden und Christina Schreiber von der katholischen Kirchengemeinde.
Dann stellte er den letzten Gottesdienst im ehemals sehr belebten Haus unter die Begriffe Trauer, Erinnerung, Dank, Segen und Erntedank.
Emotional ansprechend führte Rainer Schmeling mit seinen Fellinghäuser Bläsern anhand ausgewählter Lieder durch das gesamte Kirchenjahr vom Ewigkeitssonntag, zu Advent und Weihnachten, von der Passion über Ostern bis hin zum Pfingstfest.
Pfarrer Friederichs erinnerte in seiner Moderation an die entsprechenden Feste und Feiern im DBH, die verschiedenen Pfarrerrinnen und Pfarrer des Nordbezirkes, die vielen ehrenamtlich Gemeindeglieder, die Konfigruppen, die zahlreichen besonderen Gottesdienste, die Konzerte und alle anderen „Events“.
All dies sei ein Zeichen für den Segen Gottes im Nordbezirk. Fast 46 Jahre lang war hier die Gemeinde aktiv, denn nach zwei Jahren Bauzeit konnte 1977 im DBH der erste Gottesdienst gefeiert werden. Erinnerung mischte sich mit Trauer, den Schluss aber bildete der Dank für das Wirken des Heiligen Geistes in dem nun zu schließenden Haus. „Die Saat ist aufgegangen!“, sagte Friederichs. „Die Vision Dietrich Bonhoeffers ist umgesetzt worden, das DBH ist ein offenes Haus gewesen.“
So rief der Pfarrer seine Gemeinde dazu auf, sich auch in der Zukunft nicht zu verschließen sondern, in der Nachfolge Jesu, Kirche für andere zu sein, einladend und geöffnet.
„Nicht sitzen bleiben, sondern in die Welt gehen, muss das Motto sein. Der Auftrag ist das Säen!“ Mit einem berührenden Text, der den Gleichklang von Gottes Wort und dem Glauben mit dem Gleichklang der Musik und dem Körper beim Tanzen verglich, leitete Thies Friedrichs zur zukünftigen Nutzung der Räumlichkeiten durch die städtische Tanzschule über. Er dankte der Stadt Kreuztal, die seit Langem das Untergeschoss mit der benachbarten Kita nutzt, für die Übernahme des Hauses, denn die zukünftige Nutzung wird sicherlich ein Segen für den  Siedlungsschwerpunkt Fritz-Erler-Siedlung sein. Nach der Predigt stimmt die Gemeinde aus vollen Herzen das Lied „Nun danket alle Gott“ an.
Bereits zwei Tage lang hatte sich die Gemeinde bei Kaffee und Kuchen mit zahlreichen Bildern und Tagebüchern vom DBH verabschieden können. Dies geschah auch nach dem Abschiedsgottesdienst bei einem professionellen Büfett, vorbereitet von den Presbyterinnen Katja Lorsbach und Christa Gehring. Selbst die Abschiedstorte fehlte nicht. Über die Verwendung der Orgel wird zeitnah entschieden, die Tauf- und Abendmahlsgefäße werden auf Bitten der Landeskirche
ihren Platz im Museum für religiöse Kultur Telgte finden.
So endeten mehrere Jahrzehnte christlichen Arbeitens seit den siebziger Jahren und gleichzeitig beginnt für die Kirchengemeinde Kreuztal neue christliche Arbeit unter sich verändernden Bedingungen.