Lost & Found


Wer kennt ihn nicht, den Schrecken, der einem durch die Glieder fährt, wenn man glaubt, etwas verloren zu haben. „Oh Schreck, mein Portemonnaie ist weg!“ Dann wird erst einmal jede Tasche durchkramt und auf links gedreht. Und man geht in Gedanken durch die letzten Stunden. Wo bin ich gewesen? In welchen Geschäften war ich? Es ist ein unangenehmes Gefühl, etwas zu verlieren.
Wenn gar nichts hilft, dann kann man immer noch zum Fundbüro gehen. Die sind etwas aus der Mode gekommen. Auf Flughäfen findet man sie aber noch. Lost & Found steht da oft auf dem Eingangsschild.
„Lost“ war im vergangenen Jahr auch das Jugendwort des Jahres. Übersetzt bedeutet das eigentlich „verloren“. In der Jugendsprache steht der Begriff auch für „ahnungslos“, „unsicher“ oder „unentschlossen“. Es ist kein Wunder, dass in
einem Jahr wie dem vergangenen sich viele Menschen und Jugendliche als „lost“ empfunden haben. Neben dem Portemonnaie kann man im Leben nämlich auch ganz andere Dinge verlieren: Sicherheit, Orientierung, Perspektive. Und oft sind sie nicht so leicht wiederzufinden wie ein Portemonnaie.
Im Lukasevangelium erzählt Jesus oft vom Verlieren und wiedergefunden
werden. Wie beim Gleichnis vom verlorenen Schaf. In dem Gleichnis erzählt Jesus von einem Hirten, der hundert Schafe hat und eines davon verliert. Er lässt die 99
anderen Schafe zurück und macht sich auf die Suche nach dem einen verlorenen. Als er es gefunden hat, lädt er seine Freunde und Nachbarn ein, sich mit ihm zu freuen.
Die Freude etwas wiederzufinden kann ich gut nachempfinden. Es ist wunderbar,
etwas verloren Geglaubtes wieder in der Hand zu halten.
Jesus erzählt in diesem Gleichnis von Gott. Gott sucht uns, geht uns hinterher, läuft uns nach wenn wir „lost“ sind.
Und Jesus erzählt von uns. Wir sind von Gott Gefundene.
Das gefällt mir! Nicht ICH finde Gott, sondern GOTT findet mich. Das ist doch ein
Grund, sich zu freuen.
Statt Gemeinschaft der Heiligen könnte man uns auch Gemeinschaft der Gefundenen nennen. Und manchmal kann ich als Gefundener auch anderen, die „lost“ sind, ein wenig Perspektive geben. Gott sei Dank.


Pfarrer Thies Friederichs