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Gemeindeversammlung

"Wachsen und Zusammenwachsen"

Am 18. Oktober war der „Kleine Saal“ in der Kreuzkirche zu klein für die vielen Gemeindemitglieder, die an der Gemeindeversammlung teilnehmen wollten. Viele zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden, alle saßen endlich dicht an dicht. Eine erfreuliche Situation, weil sie doch von großem Interesse an den Entwicklungen in unserer Gemeinde zeugt!

Drei Themen wurden am Abend besprochen:

•    Die Vielfalt unseres Gemeindelebens,
•    die Zukunft unserer Kirchengebäude
•    und die Gottesdienstlandschaft.


Vielfalt in der Gemeinde

Unter dem Leitgedanken „Wachsen und Zusammenwachsen“ wurde die erstaunliche Vielfältigkeit unseres Gemeindelebens vor Augen geführt. Viele Teilnehmer der Versammlung wussten kurz und bündig aus ihrem eigenen Aktionsfeld zu berichten: Chöre – Jugendkreise – Kindergruppen – Frauenhilfen – Krabbelgruppen – Kindergarten – Kindergottesdienst – Besuchsdienste – Seniorenfrühstückstreffen – Flüchtlingsgruppen… die Reihe ließe sich mühelos fortsetzen und nähme so schnell kein Ende. Es war schön, dieses bunte Engagement voneinander zu erfahren.
Die Kirchengebäude
Unter derselben Perspektive „gemeinsam wachsen – zusammenwachsen“ ging es dann auch bei der Frage, wie wir mit unseren kirchlichen Gebäuden umgehen werden. Der Beschluss des Presbyteriums aus 2015 ist eindeutig. Das Gemeindeleben wird sich in Zukunft auf zwei Zentren konzentrieren: Die Friedenskirche mit dem verbundenen Kindergarten und die Kreuzkirche im Zentrum der Stadt.

Dazu wird der sichtlich gealterte Gebäudekomplex der Kreuzkirche eine angemessene bauliche Veränderung bekommen, das heißt, sie wird flächenmäßig kleiner, moderner und zugleich auch den realen Nutzungsverhältnissen angepasst. Wie das tatsächlich aussehen wird, befindet sich derzeit noch in Beratung. So war z.B. am 7. November eine kleine Delegation aus der Bauabteilung des Landeskirchenamtes Bielefeld und des Kirchenkreises Siegen gemeinsam mit dem Bauausschuss unserer Gemeinde zu einem Ortstermin in der Kreuzkirche. Auch vorher hatte es schon Überlegungen mit einem in Sachen Kirchbau erfahrenen Architekten gegeben.
Die Friedenskirche ist in ihrem Bestand recht ordentlich und bedarf lediglich einiger Auffrischungen und einer neuen Küche – im Verhältnis zum Projekt „Kreuzkirche“ sicher wesentlich einfacher.
Die Kapelle in Osthelden wird aller Voraussicht nach in den nächsten Monaten in die Nutzung durch einen Verein übergehen. Dieser Verein wird das Gebäude weiterhin als kirchliches Haus verstehen und durch kulturelle Veranstaltungen bereichern. Die ortsbildprägende und identifikationsstiftende Bedeutung der Kapelle im Gefüge des Dorfes bleibt unberührt.
Für das Dietrich-Bonhoeffer-Haus wird derzeit noch an einer Nutzungsmöglichkeit gearbeitet. Bislang zeichnet sich allerdings keine sinnvolle, bzw. vertretbare Lösung ab.
Die meisten wissen es: Bis vor gut zehn Jahren waren es vier Pfarrer, die vier Kirchen zu betreuen hatten. Seit rund zehn Jahren sind es nur noch zwei Pfarrer. Die Gemeindebezirke wurden von drei auf zwei reduziert. Die Gemeindegliederzahl schrumpfte in den letzten 15 Jahren um rund 1500 Mitglieder von 6600 auf mittlerweile 5082 (Stand 1. März 2017). Zugleich wurde die Anzahl der zu betreuenden Gemeindeglieder pro Pfarrstelle durch Beschlüsse der Landeskirche immer weiter hochgesetzt. Derzeit geht man von einem Verhältnis von 1 (Pfarrer) zu 3000 (Gemeindeglieder) aus. Damit liegt unsere Kirchengemeinde jetzt schon unter der Maßgabe. In weiteren 10 bis 15 Jahren wird es voraussichtlich nur noch einen Pfarrer in unserer Gemeinde geben. Die Hauptursache für den Mitgliederschwund sind nicht etwa Kirchenaustritte, sondern das Verhältnis von Sterbefällen zu Geburten, bzw. Taufen.  Auch wird sich die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden deutlich verändern müssen. Schon jetzt bleiben viele freie Pfarrstellen in der Evangelischen Kirche von Westfalen unbesetzt, weil es zu wenige Pfarrer gibt. Dieser Trend wird sich durch die Einsparpolitik unserer Landeskirche drastisch fortsetzen. Der Nachwuchs bricht weg.


Gottesdienste in unserer Gemeinde

„Gemeinsam wachsen – zusammenwachsen“ – das war dann auch der Leitgedanke für die zukünftige Gottesdienstlandschaft. Das Presbyterium unserer Gemeinde hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit den Gottesdiensten beschäftigt. Es gab Veränderungen hinter denen zwar ein durchdachtes Konzept stand, auch Rücksicht auf vielfältige Befindlichkeiten war gefordert.  In der Praxis bedeutete es jedoch, dass jeder Interessierte an jedem Samstag in den Gemeindebrief schauen musste, um zu erfahren wann und wo am nächsten Tag ein Gottesdienst stattfindet. Zu viele Ausnahmen, Feiertage und Sonderveranstaltungen durchkreuzten auf Schritt und Tritt eine stringente Planung.
Zugleich stellten sich auch Fragen: „Warum feiern wir an mehreren Stellen an einem Sonntag in einer Gemeinde sehr ähnliche Gottesdienst für eine gleiche Zielgruppe von Menschen?“ „Wäre es nicht viel schöner in einer großen Gruppe gemeinsam zu feiern, zu danken, zu loben, zu hören, zu bitten…?“ „Wie können auch unterschiedliche Generationen zueinander finden?“ „Wäre es nicht sinnvoll, die Kräfte von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu bündeln?“ „Wie bekommen wir Freiheit für ergänzende Gottesdienstformen, wie z.B. den bestehenden Abendgottesdienst in der Kreuzkirche?“ „Wie bereiten wir uns jetzt schon fröhlich darauf vor, was uns in 10 oder 15 Jahren als Notwendigkeit einholen wird?“
Die Antwort auf diese Fragen stellte das Presbyterium in der Gemeindeversammlung vor, wohlwissend, dass Menschen, die an unterschiedlichen Orten auch mit dem Herzen beheimatet sind, solche Veränderungen auch als Verlust, Trauer und Unsicherheit empfinden:
Es wird ab dem 1. April 2018 ein Gottesdienst an jedem Sonntag stattfinden.
Dieser findet immer zur selben Uhrzeit statt.

In den Monaten April bis September in der Kreuzkirche, in den Monaten Oktober bis März in der Friedenskirche. D.h., man muss wie bei Sommer- und Winterzeit nur zweimal im Jahr umdenken.
Es wird eine niederschwellige Transportlösung geben („Fahrdienst“).
Die Gottesdienste werden in einer Form gefeiert, an der eine Arbeitsgruppe aktuell arbeitet. Ziel ist ein guter Kompromiss für jung und alt, Singles und Familien, auch für Menschen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund.
Der zeitgleiche Kindergottesdienst soll gestärkt werden.
Alle sonstigen Aktivitäten (Gruppen, Chöre etc.) bleiben von dieser Regelung unberührt, sie machen also weiter wie gewohnt.
In den sechs Monaten, in denen der sonntägliche Gottesdienst in einer Kirche stattfindet, gibt es trotzdem Gottesdienste in der jeweils anderen Kirche / bzw. dem anderen Bezirk. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Von April bis September ist an jedem Sonntag zur selben Zeit Gottesdienst in der Kreuzkirche. In der Friedenskirche wird es dennoch Gottesdienste geben. Z.B. wird der Abendgottesdienst dann monatlich in der Friedenskirche gefeiert.  Außerdem bleiben Anlässe wie Ostern, Konfirmationen, Jubiläumskonfirmation, Himmelfahrtsandacht, Waldfest auf der Brache, Open-Air Gottesdienst in der Frenschenbach, Feuerwehrgottesdienst etc. bestehen. Umgekehrt gilt das dann auch für die Monate Oktober bis März in der Kreuzkirche. Jugendliche und junge Erwachsene aus der Gemeinde planen gerade auch Jugendgottesdienste, die im Jahr 2018 wieder in unserer Gemeinde gefeiert werden sollen.
In der Kapelle in Osthelden und im DBH werden ab 1. April 2018 Gottesdienste an Ostern, Erntedank und Heiligabend gefeiert.
Wir bitten alle Gemeindemitglieder, dieses zukunftsweisende Modell mit zu tragen, auch wenn es schwer fallen sollte und die emotionale Verbundenheit mit dem „eigenen Haus“ sehr stark ist. Sehen Sie auch die Chancen, die dieses Modell eröffnet.
Thomas Rabenau